18.03.08: Missbrauch bei Praktika
Gemeinsame Presseerklärung der SPD Bundestagsfraktion namentlich der Sprecherin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles, MdB und die Sprecherin der Arbeitsgruppe Petition Gab-riele Lösekrug-Möller, MdB, Berichterstatterin der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales Anette Kramme, MdB, Berichterstatterin der Arbeitsgruppe Recht Marianne Schieder, MdB, Mitglied der Arbeitsgruppe Petition und Berichterstatter der Arbeitsgruppe Bildung und Forschung Swen Schulz, MdB sowie Klaus Barthel, MdB, Berichterstatter für die Arbeitsgruppe Wirtschaft und Technologie.
Handlungsbedarf gegen Missbrauch bei Praktika und Berufseinstieg
Die Querschnitts-Arbeitsgruppe der SPD-Bundestagsfraktion fordert faire Praktika und einen guten Einstieg für junge Menschen in das Berufsleben. Dem Petitionsausschuss des Deut-schen Bundestages lagen zwei Petitionen zu diesem Thema mit insgesamt 108.412 Unters-tützern vor, die damit einen noch nie dagewesenen Zuspruch erfuhr.
Nunmehr liegt eine, vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) in Auftrag ge-gebene Studie vor, die die Probleme in diesem Bereich bestätigt.
I. Die Studie bringt folgende Ergebnisse:
1. Für viele junge Menschen beginnt der Start ins Berufsleben in atypischen Beschäfti-gungsverhältnissen. Trotz großer Erwartung konnte im Anschluss an das Praktikum le-diglich ein Drittel der Befragten ein reguläres Arbeitsverhältnis aufnehmen. Ein weite-res Drittel hatte zwei oder mehr Praktikumsstellen mit einer Dauer von insgesamt ei-nem Jahr und länger, größtenteils bei unterschiedlichen Arbeitgebern.
2. Die vom BMAS in Auftrag gegebene Studie umfasst alle 18 - 34 Jährigen, dies sind ca. 10 Mio. junge Berufseinsteiger. Sie zeigt, dass vom Missbrauch als Praktikanten alle Bereiche des Berufseinstiegs betroffen sind, nicht nur Akademiker und diejenigen, für die Praktika als Teil der Ausbildung vorgesehen sind.
3. Über die Hälfte aller Praktikanten erhielten keine Vergütung.
4. Knapp die Hälfte der Praktikanten erbringen reine Arbeitsleistung ohne Ausbildungsan-teil. Davon erhalten mehr als die Hälfte keine oder keine angemessene Vergütung.
Die Einzelergebnisse der Studie geben daher Anlass zur Sorge und damit Grund zum Han-deln.
II. Was wollen wir:
1. Praktika eröffnen oft gute Einblicke in das Berufsleben. Wir wollen keine Praktika ver-hindern; in vielen Bereichen sind sie als Teil der Ausbildung unverzichtbar. Sie sollten aber nach dem Studium oder einer abgeschlossenen Ausbildung die Ausnahme und nicht die Regel sein.
2. Praktikanten und Berufseinsteiger nehmen sehr viel in Kauf, da sie zum Zeitpunkt des Praktikums davon ausgehen, anschließend leichter einen Arbeitsplatz zu finden. Wir wollen auch für Praktikanten einen transparenten und verlässlichen Rahmen, wo nötig auch mit gesetzlichen Regelungen, Ergänzungen und Klarstellungen, um einen besse-ren Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen.
3. Das Hauptanliegen der Arbeitsgruppe ist es, die Rahmenbedingungen für Praktikanten zu verbessern und Missbrauch beim Berufseinstieg zu verhindern
4. Wir wollen nicht, dass junge motivierte Menschen in unbefristeten Kettenpraktikanten-verhältnissen hingehalten werden
5. Praktika und Arbeitsverhältnisse müssen klar abgegrenzt werden.
6. Ausbildung und Arbeitsleistung müssen angemessen vergütet werden.
III. Konkret:
1. Schriftform:
Wir fordern die Schriftform für alle Praktika- und vergleichbare Berufseinstiegsverhält-nisse wie beispielsweise Hospitant, Trainee, Volontariat, Schnupper-Arbeitsverhältnis, Arbeitserprobung, Einfühlungsverhältnis, Einarbeitungsverhältnis, usw. Die zwingende Schriftform stellt sicher, dass beide Vertragspartner ihre Rechte und Pflichten kennen.
2. Vergütung:
Wir wollen eine angemessene Vergütung für alle Praktikanten, wie sie im Berufsbil-dungsgesetz und im Arbeitsrecht garantiert wird. Wir brauchen eine gesetzliche Klar-stellung, dass Scheinpraktika Arbeitsverhältnisse sind und die Betroffenen wie andere Arbeitnehmer Anspruch auf die übliche Vergütung haben. Für uns gilt der Grundsatz: Gleiche Leistung – gleicher Lohn.
3. Beweiserleichterung:
Wir fordern eine klare gesetzliche Abgrenzung zwischen Praktika und Arbeitsverhält-nissen, die als Scheinpraktika getarnt sind. Scheinpraktika und Missbrauch von Prakti-kumsverhältnissen sind zu bekämpfen. Wir wollen Praktikanten bei der Durchsetzung ihrer Vergütungsansprüche unterstützen, deshalb setzen wir uns nicht nur für eine Be-weiserleichterung ein.
Die Ergebnisse in der vom BMAS in Auftrag gegebenen Studie belegen, es muss etwas getan werden!
