Klaus Barthel, MdB

Lateinamerika

„Die Probleme Lateinamerikas sind auch unsere…“

Ein Gespräch mit Klaus Barthel, MdB, über seine Aufgaben und Ziele als Sprecher des Gesprächskreises „Lateinamerika und Karibik“ der SPD-Bundestagsfraktion

Klaus Barthel, stellvertretender wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Bundesfraktion, fungiert seit 2010 nun auch als Leiter des Gesprächskreises „Lateinamerika und Karibik“ der SPD im Deutschen Bundestag. Er führt damit den Dialog mit der demokratischen Linken in Lateinamerika fort, was bereits Willy Brandt ein besonderes Anliegen war. Ein Gespräch mit Klaus Barthel über Aufgaben und Ziele, über das besondere Interesse an Lateinamerika und über die Bürden, die auf dieser ehemals kolonialen Region noch immer lasten.

Zuallererst: Was verbindet Sie persönlich mit Lateinamerika, mit Staaten wie Peru, Mexiko, Brasilien, Chile oder Kuba?

Klaus Barthel: Obwohl ich keinerlei persönliche Bindungen zu dieser Weltregion hatte und sie auch bis Anfang der neunziger Jahre nicht bereisen konnte, interessierten, ja faszinierten mich die Geschichte, die Natur und die politischen Entwicklungen zwischen Rio Grande und Feuerland von jeher. Die Versuche, soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Unabhängigkeit und Demokratie durchzusetzen – wie z.B. in Chile oder Nicaragua in den siebziger Jahren – haben damals nicht nur mich bewegt, sondern ganz viele Menschen in Deutschland und Europa. Empört hat mich die Kumpanei der CSU-Amigos mit den Diktatoren in vielen dieser Länder, die nicht nur Nazi-Verbrechern eine Heimat gaben, sondern mit Folter- und Gewaltmethoden gegen die Bevölkerung der von ihnen regierten Staaten vorgingen.

Mit der Leitung des Gesprächskreises „Lateinamerika und Karibik“ sind ganz neue Aufgaben auf Sie zugekommen. Wo liegen da die Schwerpunkte?

Barthel: In der vielzitierten Globalisierung sind Lateinamerikas Probleme auch unsere. Das Weltklima hängt besonders von den Regenwäldern Amazoniens ab! Art und Umfang der Rohstoffgewinnung, Abbau der Armut und neue Regeln für die Finanzmärkte bestimmen über die künftige Wirtschaftsentwicklung und Arbeitsplätze bei uns mit. Und der immer brutalere Drogenkrieg wird für uns nicht folgenlos bleiben.
In unserem Gesprächskreis, dem Abgeordnete, Experten und VertreterInnen von Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) angehören, beschäftigen wir uns nicht nur mit der Situation der Staaten in der Region, sondern fragen auch nach gemeinsamen politischen Strategien und Antworten. So haben wir ein Grundlagenpapier erarbeitet, das die SPD-Bundestagsfraktion am 22. November 2010 beschlossen hat. Für den Gesprächskreis und für unsere Arbeit ein großer Erfolg!

Welche Wirkung kann von diesem Gesprächskreis und von Ihren persönlichen Aktivitäten ausgehen – berücksichtigt man die erschwerten Umstände, dass Sie aus der Opposition heraus agieren müssen?

Barthel: Für mich überraschend ist, dass zwar Europa – leider – in der Wahrnehmung der Lateinamerikaner unwichtiger geworden ist, dass aber die Erwartungen an die europäische und die deutsche Sozialdemokratie enorm hoch sind. Da wirkt noch das Engagement der Sozialdemokratie aus den Zeiten von Willy Brandt, Bruno Kreisky und Olof Palme. Für uns eine große Verantwortung, die wir jetzt in der Opposition genauso annehmen müssen wie in einer von uns geführten Regierung ab 2013.

Die Tätigkeit ist verbunden mit Reisen in die Länder Lateinamerikas. Lässt sich das zeitlich überhaupt unter einen Hut bringen mit Ihrem starken Engagement in Berlin und im Wahlkreis?

Barthel: Nicht leicht! Die Zeit ist begrenzt, und alles gleichzeitig geht nicht. Wenn aber das Gespräch darauf kommt, stoße ich bei vielen WahlkreisbürgerInnen auf Interesse und Verständnis. Auch den politisch weniger interessierten Menschen ist entgegen elitärem Verdacht nicht egal, was „da unten“ passiert. Sie spüren, dass uns das alle betrifft. Und sie sollen wissen, dass mein Einsatz für ihre Interessen, für die Bewältigung der Probleme in unserem Wahlkreis und der gesamten Heimatregion schon deshalb nicht nachlassen wird, weil ich immer wieder gerne „dahoam“ bin und die Reiserei auf das Mindestmaß reduziere – auch im eigenen Interesse…

Vielen Dank für das Gespräch.

Einzelheiten zur Lateinamerikapolitik finden Sie hier: „Grundlagen der sozialdemokratischen Lateinamerikapolitik [106 KB]